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Kultur
Heldentat oder Schwindel?
Aus ff 17 vom Donnerstag, den 23. April 2020

Film – neue Doku von Reinhold Messner:
(ml) Zugegeben, die Vorstellung des neuen Dokumentarfilms von Reinhold Messner war gewöhnungsbedürftig. Sie fand über Microsoft Teams statt, einem jener Programme für Videokonferenzen, die in Zeiten der Ausgehsperre zum wichtigen Kommunikationsinstrument im Homeoffice geworden sind.
Zu kommunizieren, oder besser: zu zeigen, gilt es in Zeiten geschlossener Kinos Messners neue Alpin-Doku „Mythos Cerro Torre“ – angekündigt als „Online-Weltpremiere“. Regisseur Messner und der Hauptproduzent des Films, Ewerhard Ed Engels (Riva Film), luden also per Videokonferenz rund zwei Dutzend Journalisten ein, führten in den Film ein und beantworteten danach Fragen.
Messner hat sich in seiner neuen Doku (80 Min.) also zum Cerro Torre begeben, dem patagonischen Fels- und Eisturm, der lange als schwierigster Kletterberg der Welt (3.128 Meter) galt. Seine Erstbesteigung 1959 gibt – vorsichtig formuliert – bis heute Rätsel auf. Die angebliche Erstbesteigung durch den gebürtigen Terlaner Toni Egger und die italienische Kletterlegende Cesare Maestri, bei der Egger den Tod fand, wird von der Fachwelt mehr als bezweifelt. Die Heldentat – ein Schwindel?
Messner führt höchstselbst durch den Film, trifft Zeitzeugen, interviewt Kletterer (über Dritte auch Maestri), wertet Dokumente aus und erklärt minutiös, warum es damals zu keiner Erstbesteigung gekommen sein kann. Dramaturgisch wie ein Krimi angelegt, weiß der Film durchaus in seinen Bann zu ziehen. Spektakuläre Aufnahmen tun ein Übriges dazu.
Sicher: Den Nachweis der nicht erfolgten Erstbesteigung haben zuvor schon andere erbracht, vor allem die Kletterer Rolando Garibotti und Ermanno Salvaterra. Doch es ist Messners (Film-)Verdienst, erstmals die psychologischen Hintergründe freigelegt zu haben, die Cesare Maestri zu seiner Version der Erstbesteigung geführt haben. (zu sehen auf: Arte, 16. Mai, 20.15 Uhr)
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