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Leitartikel
Im CD-Modus
Der Sanitätsbetrieb arbeitet nach wie vor mit Mitteln aus der digitalen Steinzeit. Das ist unfassbar angesichts eines Milliarden-Jahresbudgets.
Der Sanitätsbetrieb lebt in der digitalen Steinzeit. Nach wie vor. Seit Jahren berichtet dieses Magazin über seine Probleme mit den modernen Mitteln der Datenverarbeitung. Ändern tut sich wenig. Das ist unfassbar angesichts eines Jahresbudgets, das sich in schnellen Schritten der Zwei-Milliarden-Euro-Marke nähert.
Im Februar schrieb die ff (9/2026) von einem „Fax für den Doktor“. Diesmal geht es um eine CD. Die Compact Disc ist in den 1980er-Jahren populär geworden, besonders als Speichermedium für Musik. Darauf gespeichert werden können aber auch andere Daten, etwa für Texte oder Bilder.
Dennoch überdauerte die CD nicht lange. Nach wenig mehr als zwei Jahrzehnten verschwand sie schnell wieder in der Schublade. Oder in der Mülltonne. Die Jugend von heute weiß gar nicht mehr, was eine CD ist.
Anders der Südtiroler Sanitätsbetrieb. Er arbeitet immer noch mit CDs, zum Beispiel wenn eine Patientin eine Magnetresonanztomographie (MRT) machen muss. Dafür fehlen in den Krankenhäusern häufig die Kapazitäten, also werden die Patienten in private Kliniken geschickt. Nur: Wie kommen die MRT-Daten wieder zurück in den Sanitätsbetrieb?
Man möchte meinen, dass es dafür nicht viel brauche. Die unbedarfte Patientin stellt sich das so vor: In der Privatklinik werden die Daten auf einem Server abgespeichert. Und die Leute in der Krankenhausabteilung, in der die Bilder gebraucht werden, greifen direkt auf diesen Server zu. Ein Klick genügt.
Dem ist nicht so. Denn einen solchen Server gibt es nicht. Also muss die Patientin die Privatklinik anrufen und darum bitten, digital auf die MRT-Bilder zugreifen zu können. Sie erhält noch am selben Tag den Link und das Passwort. Auf dem Rechner zu Hause klappt das wunderbar: Sie klickt den Link an, tippt das Passwort ein – und sieht sich die Bilder an.
In der Abteilung des Krankenhauses, in die die Patientin einige Tage später einbestellt wird, entschuldigt sich die Ärztin: Leider könne man mit Link und Passwort nichts anfangen. Sie könne nicht auf das Portal mit den Daten der Patientin zugreifen.
Wie bitte? Das seien doch ihre Daten, sagt die Patientin. Sie erteile der Ärztin ausdrücklich die Erlaubnis, auf das Portal mit ihren MRT-Bildern zuzugreifen. Doch es hilft nichts. Man müsse, sagt die Ärztin entschuldigend, die Privatklinik darum bitten, die Daten auf einer CD abzuspeichern. Diese CD müsse dann in das Krankenhaus gebracht werden, wo man die Daten einlese.
Wohlgemerkt: Wir befinden uns im Jahr 2026.
Also noch mal zur Privatklinik, zuerst CD bestellen, einige Tage später CD holen. Doch die CD ist nicht auffindbar, man müsse ein anderes Mal wiederkommen. Tags darauf ist die CD da.
Die Patientin bringt sie ins Krankenhaus, wo es tatsächlich eine eigene Stelle (!) gibt, die sich dem Relikt aus der digitalen Urzeit annimmt. Sie werde nun eingelesen – und könne, wenn man es wünsche, ab dem Folgetag binnen 90 Tagen wieder abgeholt werden.
Das wünscht man sich definitiv nicht. Es waren bereits bis hierhin unzählige Telefonate, Fahr- und Fußwege nötig, um das zu erledigen, wofür ein Klick genügen würde.
Wünschenswert wäre vielmehr ein Sanitätsbetrieb, der nicht im 1990er-Jahre-Gedächtnis-Modus arbeitet. Und stattdessen auf echte Digitalisierung setzt. Aber das, so scheint es, wird noch eine ganze Weile dauern.
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