Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Aus ff 10 vom Donnerstag, den 11. März 2021

Andrej Werth - Arno Kompatscher
Besuch im Palais Widmann: Im Gespräch mit Andrej Werth sagte der Landeshauptmann: „Der Mensch Arno Kompatscher geht wegen unflätigen Kommentaren nicht heulen. Aber als Landeshauptmann frage ich mich, was passiert mit dem gesellschaftlichen Klima in diesem Land?“ © Alexander Alber
 

wir leben, fürwahr, in wütenden Zeiten. Vor allem im Netz verdrängen Hasskommentare, Hetze und Verschwörungstheorien immer mehr die sachlichen Wortmeldungen. Nutzer beleidigen andere oder bedrohen sie mit Gewalt. Vor allem Politiker werden regelmäßig zur Zielscheibe für solche Anfeindungen.

Nun ist das Problem der Hassrede im Netz seit Jahren bekannt. Der Frust der Corona-Müden aber schlägt jetzt immer mehr und immer öfter in Wut um. Sie lassen sich nicht einfach ausblenden. Wir haben in der Redaktion lange darüber diskutiert, ob das nur einige Schreihälse sind, deren oberflächlichen Kommentare selten einer echten Debatte wert sind. Oder ob durch zunehmende Nutzung der Sozialen Medien die Menge und die Intensität dererlei Hassreden gestiegen ist. Andrej Werth hat sich des spannenden Themas angenommen. Das Ergebnis können Sie in der Titel-geschichte ab Seite 24 lesen.

Gleichberechtigung galt in den vergangenen Jahren in unserer westlichen Welt als Selbstverständlichkeit. Bis vor der Corona-Krise gab es eine Zuversicht, dass sich die Geschlechterrollen wandeln. Corona aber hat gezeigt: Frauenemanzipation ist sehr viel weniger weit als gedacht. Leider. Wir haben mit der Wissenschaftlerin und Feministin Barbara Plagg zum Thema gesprochen. „Unsere Welt“, sagt sie, „gibt es nur in der Patriarchatsversion, noch nie gab es sie als gleichberechtigtes Modell. Das aufzubrechen, ist eine Monsteraufgabe von vielen Generationen.“ (ab Seite 40)

Vergangenen Donnerstag diskutierten die Juroren, wer mit dem Gabriel-Grüner-Schülerpreis ausgezeichnet wird. Mit dabei Journalisten von Geo, Spiegel, Stern, Brigitte, Zeitenspiegel Reportagen – und Georg Mair von der ff. Sie nahmen die Schülertexte genauso ernst wie die Reportagen aus Geo, Zeit oder Spiegel, über die am nächsten Tag beim Hansel-Mieth-Preis (einem der bedeutendsten Preise für Reportagen aus deutschsprachigen Medien) diskutiert wurde. „Wir hatten“, sagte ein Juror, „noch nie so gute Schülerreportagen auf dem Tisch.“ Der Schülerpreis ist ein Projekt von ff, Agentur Zeitenspiegel, der pädagogischen Abteilung des Landes und des Bildungsausschusses der Gemeinde Mals. Die Jury zeichnete Ivan Gufler und Dominik Hofer von der Technischen Fachoberschule in Bozen aus. In ihrer Reportage „Unsichtbar“ zeigen sie den harten Alltag von Fahrradkurieren. Sie können sie – und die anderen Schülerreportagen – demnächst in der ff lesen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende ff-Lektüre

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  • ff-Porträt: Marion Markart

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