Leserbriefe

Geplagte Pendler

Aus ff 13 vom Donnerstag, den 27. März 2025

Unzulänglich: was man auf einer Bahnfahrt von Bozen nach Meran alles erleben kann

In den Sommermonaten wird die Strecke zwischen Meran und Bozen gesperrt, um das European Train Control ­System (ETCS) zu implementieren, welches die Sicherheit und Effizienz des Schienennetzes steigern soll.

Trotz des innovativen An­­satzes war die Umsetzung im vergangenen Jahr von Chaos und Unzulänglichkeiten geprägt. Auch in diesem Jahr verkehren, wie bereits im Vorjahr, Ersatzbusse im Halbstundentakt. Die Hinfahrt verlief ohne nennenswerte Vorkommnisse, da die Expressbusse eine zügige Verbindung nach Bozen gewährleisteten.

Bei der Rückfahrt jedoch überrannten Scharen von Touristen mit umfangreichem Reisegepäck und dem exklusiven Privileg des Guest Pass die Ersatzbusse. Gedränge, dröhnendes Stimmengewirr, lange Wartezeiten und die Ungewissheit über verfügbare Sitzplätze (ohne Sitzplatz keine Mitfahrt) verwandelten die Heimreise in eine tägliche Herausforderung. Selbst die stoischsten Pendler wurden auf eine harte Probe gestellt. Es bleibt zu hoffen, dass die Erfahrungen des vergangenen Jahres in die diesjährigen Maßnahmen einfließen und eine praktikable Lösung für Pendler und Reisende ­gefunden wird.

Die Schwächen des Verkehrsnetzes treten jedoch nicht nur während der Sperrzeiten zutage. Abgesehen von den regelmäßigen Streikmarathons, verdeutlicht insbesondere die Zugverbindung zwischen Meran und Bozen, eine der zentralen Verkehrs­achsen Südtirols, die geringe Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel. Diese Strecke zählt zu den am stärksten von Verspätungen geplagten Verbindungen.

Trotz der kurzen Strecke von nur 30 Kilometern benötigt der Zug unter idealen Bedingungen 40 bis 45 Minuten – eine Zeitspanne, die fast der Dauer einer Fahrradtour auf dem parallel verlaufenden Radweg entspricht. Eine Zweigleisigkeit der Strecke ist daher überfällig, um den Anforderungen einer modernen Verkehrs­infrastruktur gerecht zu werden.

Manuela Bonfanti, Algund

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