Leserbriefe

Nicht jeder Rekord ist ein Glück

Aus ff 13 vom Donnerstag, den 27. März 2025

Segen und Fluch des Tourismus: Leitartikel von Karl Hinterwaldner in ff 11/25; Leserbrief von Peter Mitterhofer in ff 12/25

Unsere Dörfer haben sich nicht nur wegen des Fremden­verkehrs verändert, sondern auch wegen vieler Gewerbezonen, Wohnsiedlungen, Dorfumfahrungen usw. Südtirols Wirtschaft ist von 2002 auf 2022 um 82 Prozent gewachsen. Im selben Zeitraum hat die Bevölkerung um gut 66.000 Bürger zugenommen. Das verändert ein Land.

Wenn dieses Thema angesprochen wird, dann sollte alles in Betracht gezogen werden, und nicht nur der Tourismus. Zur Notbremse: Diese ist sehr wohl gezogen worden, im Übrigen mit Zustimmung des HGV. Damit ist kein Bettenstopp eingeführt worden, wie es die Tourismusgegner immer ­wieder behaupten, ­sondern eine Bettenobergrenze bezogen auf den einzelnen gewerblichen Beherbergungsbetrieb und auf den einzelnen Ort. Die Bettenobergrenze wird wirken und wirkt bereits. Leider gibt es auch Fälle, wo die nachfolgende Generation den elterlichen Betrieb weiterentwickeln will, dies aber gemäß Bettenobergrenze nicht mehr kann.

Herr Mitterhofer, was sagen Sie diesen jungen Menschen, die, gut ausgebildet und motiviert, den elterlichen Betrieb in eine hoffentlich positive Zukunft führen wollen, derzeit aber keine Perspektive sehen? Sagen Sie denen: Es reicht?

Der HGV hat den Übertourismus nie kleingeredet. Wir weisen jedoch weiterhin darauf hin, dass dieses Phänomen für Südtirol im Allgemeinen nicht gilt. Fakt ist, dass dort, wo die touristische Nachfrage fehlt, die Gefahr besteht, dass Schank- und Speisebetriebe und auch der Handel nicht mehr über­leben. Somit gibt es auch keine sozialen Treffpunkte mehr, in denen die Einheimischen einkehren können

Zu der im Leserbrief erwähnten Plattkofelhütte dürfen alle Menschen gehen. Es wird aber schwierig, wenn wir uns das Recht herausnehmen wollen, dass nur wir allein dorthin wandern dürfen, die anderen aber nicht. Südtirol ist bekannt für seine Gastfreundschaft und sollte sich diese auch bewahren. Das steht uns besser zu Gesicht, als auf Wanderwegen zu unterscheiden, wer diese nutzen darf und wer nicht.

Raffael Mooswalder, HGV-Direktor, Bozen

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